Kreis Lippe
Bildungsberatung in der Kommune koordinieren.

Infos zur Kommune: Fläche 1.246,21 km², Einwohner: 345.127, 
Bevölkerungsdichte: 277 Einwohner je km²
Handlungsfeld: Bildungsmanagement, Bildungsberatung, Netzwerke/Kooperation
Art des Angebotes:
 Instrument/Angebot
Kontakt: Horst Tegeler, Leiter des Zentrums für Bildung, Medien und Beratung des Kreises Lippe: h.tegeler@kreis-lippe.de; Markus Rempe, Leiter des Stabsbereichs Bildung des Kreises Lippe
Weitere Informationen: www.lippe-zbmb.dewww.lippe-bildungsberatung.dewww.lippe-bildungskompass.de

Die Einbettung des Vorhabens in den Aufbau eines gesamtheitlichen Bildungsmanagements förderte das Interesse an der erfolgreichen Umsetzung der Pläne für eine Bildungsberatung im Kreis Lippe. Das rasche Erarbeiten eines gemeinsamen Produktes (Bildungskompass) war für die weitere Zusammenarbeit mit allen Partnern sehr förderlich. Darüber hinaus tragen gemeinsame Initiativen dazu bei, das Thema Weiterbildung und Lebenslanges Lernen in die Region zu befördern."

Horst Tegeler, Leiter des Zentrums für Bildung, Medien und Beratung des Kreises Lippe

Im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts "Lernen vor Ort" (LvO) hat es sich der Kreis Lippe zur Aufgabe gemacht, die allgemeine Bildungsbeteiligung sowie das Bildungsbewusstsein zu erhöhen. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der ständigen Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft gewinnt der Bereich der beruflichen und allgemeinen Weiterbildung immer mehr an Bedeutung. Ziel ist es, eine Weiterbildungskampagne über „Lebenslanges Lernen in Lippe“ zu etablieren, das Marketing zu intensivieren und das System Wege zur Weiterbildung auszubauen. Es gilt, noch intensiver die individuellen und institutionellen Bedarfe und Bedürfnisse in passgenaue Weiterbildungsangebote umzusetzen. Diese Initiativen tragen dazu bei, die gesellschaftliche Teilhabe einzelner als auch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern und damit die Region in wirtschaftlichem Sinne zu stärken und attraktiv zu erhalten.

1. Die Ergebnisse im Überblick: Was konnte mit dem Engagement erreicht werden?

Die Bildungsberatung als ein wesentliches Element ist trägerneutral und steht allen Interessierten offen. Durch die Einrichtung eines Netzwerks Weiterbildung und Bildungsberatung, ist es gelungen, das Thema in der Region zu platzieren. Ein breit besetzter Arbeitskreis koordiniert unter Federführung des Zentrums für Bildung, Medien und Beratung die Arbeit. Gemeinsam mit Volkshochschulen, Kammern, Agentur für Arbeit und Jobcenter werden aktuelle Themen wie dezentrale Beratung, Transparenz in der Weiterbildung, Modularisierung der Weiterbildung und Nachholen von Berufsabschlüssen, ergänzende Sprachförderung für Flüchtlinge, Grundbildung, Weiterbildung 50+ und Digitale Bildung beleuchtet und weiter entwickelt.   

2. Der Ausgangspunkt: Was hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Vorhaben aufgegriffen und gefördert wurde?

Wichtige Vorarbeit für das Vorantreiben der Handlungsfelder Bildungsberatung und Weiterbildung hat das Projekt „Selbstlernzentren in Lippe“ im Rahmen der Vertiefungsphase des BMBF-Programms „Lernende Regionen“  geleistet. Drei dezentrale Selbstlernzentren in Lippe (Detmold, Lemgo und Bad Salzuflen) wurden nachhaltig als Häuser der Offenen Bildung positioniert. Die Teilnahme am Bundesprogramm Lernen vor Ort ermöglichte und katalysierte den Aufbau eines umfassenden datenbasierten Bildungsmanagements im Kreis Lippe. Es wurden nachhaltige Strukturen implementiert, sowie konkrete Projekte  umgesetzt. Die Selbstlernzentren wurden als Häuser der offenen Bildung und der trägerneutralen offenen Bildungsberatung durch das BMBF-Programm „Lernen vor Ort“ weiter ausgebaut. Insbesondere die Niedrigschwelligkeit der Einrichtungen und die besondere Vertrauensstellung und Professionalität der Lern- und Bildungsberater in den Selbstlernzentren haben zur Etablierung des Dienstleistungsangebots beigetragen. Darüber hinaus wird in Kooperation mit der VHS Lippe-Ost auch in der Gemeinde Extertal Beratung zur beruflichen Umorientierung und Weiterbildung angeboten. Das Portfolio umfasst auch die Ausstellung von Bildungsschecks und Gutscheinen für die Bildungsprämie. Insgesamt wird die Bildungsberatung als wertvolles Element der Bildungskette gesehen und stellt damit einen wichtigen Baustein des regionalen Bildungsnetzwerks im Kreis Lippe dar. Wesentliches Kommunikationsforum auf struktureller Ebene ist wie bereits unter 1. dargestellt der breit besetzte Arbeitskreis Weiterbildung und Bildungsberatung im Kreis Lippe. Dieser bietet als Kooperationsgremium von regionalen Trägern, Institutionen und Organisationen die Grundlage für ein nachhaltig funktionierendes Netzwerk zur Optimierung der Weiterbildung und Beratung in der Bildungsregion Lippe und soll als Beschlussgremium des Regionalen Bildungsnetzwerks mit Zugang zur politischen Entscheidungsebene und zur Wirtschaft weiter ausgebaut werden. Die Moderation des Arbeitskreises erfolgt über die Leitung des ZBMB.

3. Der aktuelle Status: Wie sind die Beteiligten heute eingebunden und mit welchen Ressourcen sind sie ausgestattet?

Im Kreis Lippe wird mit dem Ansatz gearbeitet, Bildung gemeinsam mit allen relevanten Akteuren in einem regionalen Bildungsnetzwerk zu verantworten. Die Geschäftsführung liegt beim Stabsbereich Bildung. Die Bildungsberatung im Kreis Lippe ist integriert in das Zentrum für Bildung, Medien und Beratung des Kreises Lippe als eigenständige Organisationseinheit und stellt neben der Weiterbildung ein Handlungsfeld des Bildungsnetzwerks dar. An drei dezentralen Stellen wird persönliche Beratung vor Ort angeboten. Zudem besteht die Möglichkeit, sich sowohl telefonisch als auch per Mail zu informieren. Pro Jahr führen die drei Bildungsberaterinnen (3 x 0,5 Stellen)[1] über 300 Einzelberatungen (persönlich, tel., digital) pro Jahr durch. Insgesamt wurden im Beratungsnetzwerk Lippe (VHS, IHK …) im Jahr 2014 1.165 Bildungsschecks und  165 Bildungsprämien ausgegeben. Neben der professionellen Beratung stellt das ZBMB auf einem Bildungsportal eine umfangreiche Kursdatenbank und eine große Anzahl von Informationen, Tipps, Tests, freien Online-Lernangeboten zur Verfügung. Darin sind alle Bildungsangebote aufgeführt und er ist für Beratende so wie auch Ratsuchende ein hilfreiches Instrument. Die Bildungsberatung des Kreises Lippe versteht sich als neutrales, vorwiegend an Erwachsene gerichtetes Beratungsangebot zu Fragen der Bildung und Weiterbildung. Für Multiplikatoren aus dem Sozial- und Bildungsbereich bietet das ZBMB in regelmäßigen Abständen eine Weiterbildung zum Bildungslotsen an. Ziel der Schulung ist es, aktuelle Kenntnisse zum Bildungsmarkt in der Region zu erwerben und sich in die Grundlagen der Bildungsberatung einzuarbeiten. Das Potenzial der nahezu flächendeckend in Lippe aktiven Bildungslotsen gilt es als Ressource insbesondere für die individuelle Weiterbildungsaktivierung zu nutzen.


[1] Aufgrund einer Beurlaubung sind aktuell nur 2 Bildungsberaterinnen (2 x 0,5 Stellen) beim Kreis Lippe im Einsatz.

4. Die Sichtbarkeit: Wie konnte der Erfolg gemessen und publik gemacht werden?

Auf der Grundlage ihres Selbstverständnisses sieht sich die Bildungsberatung des Kreises Lippe in der Pflicht, die Qualität ihres Angebotes gleichermaßen zu sichern wie auch weiterzuentwickeln. Die Beratungen werden dokumentiert und evaluiert. Im Mittelpunkt der Auswertung der gesammelten Daten steht die Fremd- und Selbstevaluation hinsichtlich der Ergebnis- und Wirkungsdimensionen, sofern bekannt. Weitere Auswertungskriterien sind die Kunden- und Beraterzufriedenheit sowie statistische Kategorien zur Besucherfrequenz und Beratungsdauer sowie zur Alters-, Geschlechts- und Bildungszugehörigkeit Auf der Internetseite, sowie in Publikationen des ZBMB (vorher: Bildungsbüro) und in der Presse werden Erfolge kommuniziert. Wesentliche Kennzahlen wie z.B. die Anzahl der Bildungsberatungen pro Jahr werden in einem jährlich erscheinenden Faktencheck Bildung veröffentlicht.

5. Die Gelingensfaktoren und Hemmnisse: Was war besonders förderlich für die Umsetzung? Welche Hemmnisse waren zu bewältigen?

Die Einbettung des Vorhabens in den Aufbau eines gesamtheitlichen Bildungsmanagements förderte das Interesse an der erfolgreichen Umsetzung der Pläne für eine Bildungsberatung im Kreis Lippe. Das rasche Erarbeiten eines gemeinsamen Produktes  (Bildungskompass) war für die weitere Zusammenarbeit mit allen Partnern sehr förderlich. Darüber hinaus tragen gemeinsame Initiativen wie u.a. ein Weiterbildungsatlas Lippe als Imagebroschüre, das Konzept „Wege zur Weiterbildung mit den Elementen Bildungshotline, Bildungsberatung, Bildungskompass, Bildungsinfothek und Bildungslotsen dazu bei, das Thema Weiterbildung und Lebenslanges Lernen in die Region zu befördern. Durch die intensive Bearbeitung des Handlungsfelds Bildungsberatung ist es in Lippe grundsätzlich gelungen, die u.a. aufgrund des demographischen Wandels allgemein anerkannte Notwendigkeit des Lebenslangen Lernens/der Weiterbildung und einer begleitenden professionellen Bildungsberatung in den Fokus zu nehmen. Die Diskussion in der Bildung dominieren gleichwohl Themen wie der Übergang Schule-Beruf oder das Thema MINT-Förderung. Zunehmende Bedeutung erfährt das Handlungsfeld aktuell mit Blick auf die Sprachförderung von erwachsenen Flüchtlingen, aber auch durch das Thema digitale Bildung und die Weiterbildung älterer Arbeitnehmer. Darüber hinaus ist der Weiterbildungsmarkt von einer großen Vielfalt der Angebote und von Konkurrenz geprägt. Die offene allgemeine und berufliche Weiterbildung steht  neben der über Maßnahmen der Agentur für Arbeit und des Jobcenters gestützten sowie der betrieblichen Weiterbildung. Im erstgenannten Bereich sehen sich insbesondere die Volkshochschulen als kommunale Weiterbildungszentren. Im Bereich der betrieblichen Weiterbildung gibt es wenige Großunternehmen, die traditionell sehr stark in die Personalentwicklung der Mitarbeiter über unternehmenseigene Akademien und Colleges investieren. Dies gilt in der Regel weniger für die Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). In diesem Handlungsfeld gilt es, noch mehr als bisher den Mehrwert  von Weiterbildung für Wirtschaft und Gesellschaft nachzuweisen und Wege zur Weiterbildung auch über professionelle Bildungsberatung („Wege zur Weiterbildung“) zu öffnen.