Stadt Offenbach am Main
Beirat Koop.vereinbarung Schnittstelle Elementarbildung-Grundschule.

Infos zur Kommune: Fläche 44,9 km², Einwohner: 120.988,
Bevölkerungsdichte: 2.695 Einwohner je km²
Handlungsfeld: Bildungsmanagement, Bildungsberatung
Art des Angebotes:
Strukturlösung, Instrument/Angebot
Kontakt: Beatrice.Ploch@offenbach.de                             
Weitere Informationen: Fachstelle Bildungskoordinierung und Beratung

Es hat sich als sinnvoll erwiesen, dass sich der Beirat nicht nur aus städtischen und staatlichen Amtsleitungen zusammensetzt, sondern auch mit Kita‐ und Grundschulleitungen, deren Erfahrungen auf operativer Ebene für die abgestimmte Steuerung der Kooperation fruchtbar sind. Die kollegiale Begegnung bei gemeinsamen Veranstaltungen stellt eine solide Basis für die Zusammenarbeit der Akteure aus Kita und Grundschule dar."

Beatrice Ploch, Fachstelle Bildungskoordinierung und Beratung

 

Was können Kita und Grundschule tun, damit Kinder den Übergang gut bewältigen? Wie kann eine bessere Abstimmung zur Sprach- und mathematisch/naturwissenschaftliche Förderung aussehen? Das sind Fragen, mit denen sich der Beirat Kooperationsvereinbarung Kita und Grundschule seit 2010 beschäftigt. Grundlage ist eine zwischen Stadt und Staatlichem Schulamt geschlossene Kooperationsvereinbarung.

1. Die Ergebnisse im Überblick: Was konnte mit dem Engagement erreicht werden?

Der Beirat „Kooperationsvereinbarung Schnittstelle Elementarbildung‐Grundschule“ ebnet den Weg für eine ressort‐ und verwaltungsübergreifende (staatlich/städtische) Zusammenarbeit in diesem Feld. Der Bildungsübergang von der Kita in die Grundschule stellt für Kinder und Eltern eine Herausforderung dar, die maßgeblich für die weitere Bildungsbiografie der Kinder ist. In Offenbach haben Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren mehrheitlich einen familiären Migrationshintergrund, lernen Deutsch häufig als Zweitsprache und ihre Eltern kennen zum Teil das deutsche Bildungssystem nicht. Darüber hinaus sind viele Offenbacher Familien armutsgefährdet. Die ressort- und verwaltungsübergreifende Kooperation soll gleiche Chancen für alle Offenbacher Kinder schaffen. Konkret wurde durch die Einführung folgendes erreicht:

  • Bestandsaufnahme und Bedarfsermittlung der kooperativen Gestaltung des Überganges durch Kitas und Grundschulen in Offenbach
  • Abstimmung und Konzipierung von Fortbildungsangeboten für Erzieher/-innen und Grundschullehrkräfte (Fachtagungen)
  • Übereinkunft zum Angebot externer Moderationen von Kooperationstreffen in Schulbezirken
  • Konzeptentwicklung für die erste gesamtstädtische Übergangskonferenz

2. Der Ausgangspunkt: Was hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Vorhaben aufgegriffen und gefördert wurde?

Der Diskurs:
Niederschmetternde Ergebnisse internationaler Schulleistungsvergleiche wie auch neue europaweit propagierte Konzepte des „lebenslangen Lernens“ führten nach der Jahrtausendwende zu einer (Weiter-)Entwicklung der Bildungsforschung und des Bildungsdiskurses. Länderspezifisch entstanden Bildungs- und Erziehungspläne, die den Schwerpunkt auf frühe Bildung, Bildungsübergänge und Erziehungspartnerschaften mit Eltern legten – so auch in Hessen.

Die Politik:
Vor diesem Hintergrund ist auch die kommunale Initiative zu sehen: Bildungsverantwortliche in der Stadt Offenbach – aus Politik, Verwaltung und Staatlichem Schulamt – unterzeichneten 2008 eine Kooperationsvereinbarung. Diese sah unter anderem die Gründung eines Beirates zur gemeinsamen Gestaltung des Überganges von der Kita in die Grundschule vor. Vor allem die Anschlussfähigkeit sprachlicher, mathematischer und naturwissenschaftlicher Förderkonzepte sollte durch diese Initiative gewährleistet werden.

Das Projekt „Lernen vor Ort“:
Die Kooperationsvereinbarung bildete inhaltlich wie auch formal die Grundlage für den Aufbau dieses Gremiums durch „Lernen vor Ort“. Neben den wichtigen Akteuren aus der Kommune (Entscheidungs-, Fach- und Praxisebene) waren bisher auch Repräsentanten von Stiftungen vertreten, die eine erweiterte Perspektive einbrachten. Eine wichtige Gelingensbedingung ist die professionelle Geschäftsführung, die auch Informationen und Impulse in das Gremium trägt und dadurch Austausch, Abstimmungsprozesse und eine fachliche Begleitung der Praxis ermöglicht

3. Der aktuelle Status: Wie sind die Beteiligten heute eingebunden und mit welchen Ressourcen sind sie ausgestattet?

Seit September 2014 verantwortet die Fachstelle Bildungskoordinierung und Beratung die Geschäftsführung des Beirates. Die drei Beiratssitzungen 2015 dienten vor allem der Standortbestimmung und dem inhaltlichen Austausch (Recherche und Austausch zu MINT-Förderkonzepten) sowie der Zusammensetzung des Gremiums (zum Teil altersbedingte personelle Wechsel). Für 2016 hat der Beirat die Durchführung eines Fachtages zur mathematischen Förderung am Übergang und einer Übergangskonferenz beschlossen. Im kommenden Jahr steht ein Fachtag zur naturwissenschaftlichen Förderung für pädagogische Fachkräfte aus Kita und Grundschule auf dem Programm. Und ganz aktuell: Ein Ergebnis des aktuellen Bildungsberichtes ist, dass der Anteil der verspätet eingeschulten Kinder aufgrund von neuer Zuwanderung sprunghaft gestiegen ist. Dies wurde im Beirat diskutiert und es wurden erste Gegenmaßnahmen skizziert, mit deren Umsetzung bzw. Vorbereitung die Fachstelle für Bildungskoordinierung und Beratung beauftragt wurde. Die vorhandenen Ressourcen sind vorwiegend personelle bei geringen finanziellen Mitteln.

4. Die Sichtbarkeit: Wie konnte der Erfolg gemessen und publik gemacht werden?

Langfristig kann durch die Einsetzung des Beirates gewährleistet werden, dass es zu gesamtstädtischen steuerungsrelevanten Abstimmungsprozessen kommt, mehr Transparenz durch Informationsaustausch gewährleistet wird und dass Kooperationen zwischen den Systemen verbindlich werden. Auch tragen zu einer gelungenen Übergangsgestaltung abgestimmte Maßnahmen zu vereinbarten inhaltlichen Schwerpunkten bei.

5. Die Gelingensfaktoren und Hemmnisse: Was war besonders förderlich für die Umsetzung? Welche Hemmnisse waren zu bewältigen?

Der Beirat "Kooperationsvereinbarung Schnittstelle Elementarbildung‐Grundschule" rekurriert auf die im Hessischen Bildungs‐ und Erziehungsplan für Kinder von null bis zehn Jahren formulierten Ziele. Entsprechend sollte er einem der verantwortlichen Dezernate zugeordnet sein (Jugend, Schule, Bildung). Es hat sich als sinnvoll erwiesen, dass sich der Beirat nicht nur aus städtischen und staatlichen Amtsleitungen zusammensetzt, sondern auch mit Kita‐ und Grundschulleitungen, deren Erfahrungen auf operativer Ebene für die abgestimmte Steuerung der Kooperation fruchtbar sind. Die kollegiale Begegnung bei gemeinsamen Veranstaltungen stellt eine solide Basis für die Zusammenarbeit der Akteure aus Kita und Grundschule dar. Ergebnisse sind: mehr Transparenz, Austausch, Begegnung auf Augenhöhe, Verzahnung der pädagogischen Grundlagen sowie gemeinsame Angebote für Kinder und Eltern zur Bewältigung des Überganges. Zu den Herausforderungen gehören die unregelmäßige Teilnahme von Repräsentanten einzelner Bereiche, unzureichende Ressourcen zur Umsetzung der abgestimmten Maßnahmen sowie die Beharrung auf unterschiedlichen Sichtweisen/Entscheidungen der inhaltlichen Arbeit.