Newsletter Transferkompakt Dezember 2019
Interview zur Einrichtung eines Bildungsbüros im Landkreis Cloppenburg.

Im Oktober 2019 beschlossen die politischen Gremien des Landkreises Cloppenburg die Einrichtung eines Bildungsbüros, um die Aktivitäten im Bildungsmanagement zu koordinieren und datenbasierte Entscheidungen treffen zu können. Welche weiteren Mehrwerte mit dem Bildungsbüro verbunden werden und welche Schritte bis zum erfolgreichen Beschluss nötig waren, erläutert Gabriele Kalvelage, die als kommunale Koordinatorin der Bildungsangebote für Neuzugewanderte in den Landkreis Cloppenburg kam und seit November 2019 für das Bildungsmanagement zuständig ist.

Frau Kalvelage, was waren die Beweggründe für die Einrichtung eines Bildungsbüros? Gab es einen konkreten Auslöser?
Gabriele Kalvelage (GK):
Die gestalterischen Möglichkeiten eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements (DKBM) rückten mit dem erhöhten Zuzug von Migrantinnen und Migranten in den Landkreis Cloppenburg zunehmend in den Fokus. Durch die Organisation und Strukturierung von Bildungsmöglichkeiten für Neuzugezogene, zum Beispiel in Form von Sprachlernangeboten, den Zugang zu Kitas und der Schaffung eines Übergangsmanagements für benannte Zielgruppen wurden das Fehlen von aussagekräftigen Daten und die daraus resultierenden Schwierigkeiten bei der Identifizierung von weiteren Handlungsbedarfen deutlich sichtbar. Um die Implementierung eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements zu starten, unterzeichnete der Landkreis Cloppenburg im November 2015 eine Kooperationsvereinbarung mit der Transferagentur Niedersachsen. Die Ist-Stand-Analyse für den Landkreis Cloppenburg zum Thema „Integration durch Bildung – Darstellung von Steuerungsprozessen und Vernetzungsstrukturen im Themenfeld Bildungszugänge für Menschen mit Migrationshintergrund zur (Weiter-)Entwicklung des datenbasierten Bildungsmanagements“ ist der damaligen Situation geschuldet. Die Analyse basiert auf von der Transferagentur durchgeführten und ausgewerteten Interviews mit Amtsleitungen und externen Bildungsakteuren. Mit dieser Ist-Analyse wurde der Grundstein für das Bildungsbüro belegt.

Welche Mehrwerte sehen Sie über das Handlungsfeld der Migration hinaus in der Einrichtung eines Bildungsbüros?
GK: Der Landkreis Cloppenburg erachtet den barrierefreien Zugang zu Bildung und Beruf, unabhängig von sozialer Herkunft, Abstammung und Geschlecht als Indikatoren für Chancengleichheit. Die strategische Planung von Bildung, insbesondere von Zu- und Übergängen wird als Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge verstanden. Die Sicherstellung des Zuganges zu Bildung für alle Altersgruppen ist ein Teilaspekt des „Lebensbegleitenden Lernens“ und wird als Querschnittsaufgabe betrachtet. Vor diesem Hintergrund setzen sich Akteure des Landkreises Cloppenburg seit geraumer Zeit in unterschiedlichen Gremien mit verschiedenen Fragestellungen den Bildungsbereich betreffend auseinander. Das Fehlen von validen Daten erschwert die überprüfbare Darstellung von bildungspolitischen Sachverhalten und die Benennung von zukünftigen Handlungsfeldern. Fragen wie: Wie viele Frauen mit Migrationshintergrund können aus welchen Gründen nicht an Sprachkursen teilnehmen? Ist sichergestellt, dass alle Schulpflichtigen die Schule besuchen? Wie gestaltet sich das Übergangsmanagement? etc. können wegen lückenhafter Datenlage nicht abschließend geklärt werden. Auch als Indikator für potenzielle Problembereiche, zum Beispiel steigende Ausgaben im sozialen Bereich, ist die Zusammenführung von aussagekräftigen Daten notwendig. Bei diesem Thema ist unter anderem interessant zu wissen, an welchen Schulen wie viele Schülerinnen und Schüler keinen Schulabschluss erreichen, woran es liegen könnte und welche Schulen entsprechend erfolgreiche Gegenmaßnahmen umsetzen. Die Zusammenführung aussagekräftiger Daten ist hilfreich bei der Identifikation, Analyse und Gegensteuerung von Problemlagen, zumal „Bildung“ auch als Standortfaktor betrachtet wird. Mit der Einrichtung eines Bildungsbüros sollen im Sinne der Chancengleichheit Rahmenbedingungen für gleichberechtigte Bildungszugänge und Übergänge gelegt werden, Wissen und Informationen zur Effektivitätssteigerung gewonnen, „soziale Schieflagen“ durch frühzeitige Gegensteuerung vermieden werden, Werkzeuge für die aktive und attraktive Gestaltung des Bildungsorts Kommune geschaffen und der Ausbau ressortübergreifender Zusammenarbeit für Lösungen von komplexen Herausforderungen erarbeitet werden.

Zur Person

Name: Gabriele Kalvelage (r.) in der Steuergruppe Bildung
Tätigkeitsbeschreibung: Bildungsmanagement (seit November 2019)
Im Landkreis Cloppenburg seit: Januar 2018, zunächst als Elternzeitvertretung für die Koordinatorin für Bildungsangebote für Neuzugewanderte

 

Wie gestaltete sich der Prozess von der ersten Idee bis zum Kreistagsbeschluss?
GK: Die Transferagentur Niedersachsen stellte die Chancen und Möglichkeiten des datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements im Schulausschuss im Mai 2019 vor. Der Ausschuss sollte darüber entscheiden, ob grundsätzlich ein Konzept für ein Bildungsbüro erarbeitet und zur Abstimmung vorgelegt werden soll. Die Stabsstelle „Gleichstellung, Integration und Demografie“ erstellte in enger Abstimmung mit dem zuständigen Dezernenten und der Transferagentur Niedersachsen ein Konzept mit dem Arbeitstitel „Bildungsbüro für den Landkreis Cloppenburg“. Zuständige aus unterschiedlichen Ämtern definierten im Rahmen eines Workshops unter Leitung der Transferagentur Inhalte und Ziele eines Bildungsbüros für den Landkreis. Die Arbeitsergebnisse wurden von der Stabsstelle in einem Konzeptentwurf zusammengefasst, den Beteiligten zur Durchsicht vorgelegt, nochmals abgestimmt und als Beschlussvorlage erneut dem Schulausschuss zugeleitet. Nach der mehrheitlichen Zustimmung im Schulausschuss, dem Kreisausschuss und Kreistag wurde die Implementierung des Bildungsbüros auf Grundlage des erarbeiteten Konzepts beschlossen. Das Bildungsbüro wird mit jeweils einer halben Stelle für das Bildungsmanagement und das Bildungsmonitoring besetzt.

Was waren und sind für Sie die entscheidenden Gelingensfaktoren?
GK: Unverzichtbar ist aus meiner Sicht, dass die strategische Ebene hinter einer solchen Entscheidung steht und sich persönlich dafür einsetzt – das ist im Landkreis Cloppenburg zum Glück der Fall. Von Anfang an wurde eine transparente und ressortübergreifende Herangehensweise gewählt. Im Fokus stand der Wunsch nach offenem Austausch. Zudem sollte eine möglichst hohe Motivation für die Unterstützung eines Bildungsbüros geschaffen werden. Auf diesem Hintergrund ist die aktive Unterstützung der amtsinternen Leitungsebenen für das Gelingen des Vorhabens – Schaffung eines Bildungsbüros für den Landkreis Cloppenburg – unabdingbar. Auch die professionelle und kollegiale Unterstützung der Transferagentur Niedersachsen war ein wichtiger Erfolgsfaktor: Aus den Erfahrungen anderer Kommunen wurden wichtige Erkenntnisse für den Prozess im eigenen Landkreis gezogen. Der theoretische Input (Weiterbildungen, Netzwerktreffen etc.) hat maßgeblich zur Zielerreichung – Beschluss über die Schaffung eines Bildungsbüros für den Landkreis – beigetragen.

Autorin: Gabriele Kalvelage, Bildungsmanagerin im Landkreis Cloppenburg