Newsletter Transferkompakt Juli 2015
Thema: Berufsorientierung schon früh beginnen

Berufsorientierung erst im Abschlussjahr - viel zu spät, um einen Einblick in den späteren Traumberuf zu gewinnen, meinen zahlreiche Experten. Das Berufsorientierungsprogramm des BMBF (BOP) verspricht hier Abhilfe und einen ersten Einblick in das Berufsleben für Siebt- und Achtklässler. Ein Leitfaden soll Schulen bei der möglichst guten Nutzung des Programms unterstützen.

Die Schnittstelle beim Übergang von der Schule in den Beruf ist komplex und mit vielen Möglichkeiten hinterlegt. Doch ist es überhaupt gerechtfertigt, von einer Schnittstelle zu sprechen? Dies ließe vermuten, dass der Übergang an nur einem Ort, in nur einem Moment und damit sehr abrupt ablaufen würde. Die mit dem Übergang beschäftigten Schüler/-innen sind jedoch bereits weit vor dem eigentlichen Übergang in hohem Maße gefordert, sich darüber klar zu werden, welche der zahlreichen Wege sie einschlagen sollten. Eine Berufsorientierung zur vorbereitenden Entscheidungsfindung muss früher als bisher beginnen, beklagen Fachverbände ebenso wie Bildungsexperten. Insbesondere im Sekundarbereich I ist die Hinführung auf einen realistischen Berufswunsch für zukünftige Fachkräfte in Dienstleistung, Handel, Gewerbe, Industrie und Handwerk von immenser Bedeutung.

Aktuelle Studie bestätigt Defizit

Auch die durch das Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführte Studie „Schule, und dann? Herausforderungen bei der Berufsorientierung von Schülern in Deutschland.“ im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland kommt zu dem Schluss, dass „Gravierende Informationsdefizite in der Ausbildungs- und Berufsorientierung“ zu finden sind. Den Schülerinnen und Schülern an Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe fehlt es nicht nur an grundlegenden Informationen zu Ausbildungswegen, diese finden sie darüber hinaus auch nur unzureichend in den klassischen Informationsmedien im Internet oder über die Agentur für Arbeit. Als besonders hilfreich werden dagegen die Möglichkeiten einer praktischen Erprobung benannt.

> zur Studie

Einblick durch überbetriebliche Berufsbildungsstätten

Schulen bekommen im Rahmen des Berufsorientierungsprogramms (BOP) des BMBF die Möglichkeit, bereits Schülerinnen und Schülern ab der Klassenstufe 7 einen praktischen Einblick in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Das Programm richtet sich vorrangig an solche, die keine Hochschulreife anstreben. Das Besondere dabei: Nicht Betriebe sind die Lernstätten der praxishungrigen jungen Menschen, sondern „überbetriebliche Berufsbildungsstätten“, in denen unter fachkundiger Anleitung von Ausbildern und Pädagogen Übungen durchgeführt werden können, die dem späteren Berufsbild entsprechen. Im Zeitraum von drei Wochen können sich die Jugendlichen nach einer vorgelagerten Potenzialanalyse in bis zu drei Praxisfeldern ausprobieren. Die Maßnahme wird durch lokale Bildungsträger koordiniert und ist für die teilnehmenden Schulen in der Regel kostenfrei.

Leitfaden mit Praxisbeispielen

Schulen können sich auf der Internetseite www.berufsorientierungsprogramm.de umfangreich über das Programm informieren. Für bereits teilnehmende Schulen ist jüngst ein „Leitfaden zur Kooperation von Berufsbildungsstätten und Schulen im BOP“ erschienen. Diese Arbeitshilfe bietet neben Tipps und Hinweisen für eine optimale Kooperation auch zahlreiche Praxisbeispiele. Als Bestandteil der Initiative „Bildungsketten“ ist das BOP eines von mehreren Förderinstrumenten, die – wie die Glieder einer Kette – das Lebenslange Lernen begleiten sollen.