Thema: Datenschutz im Bildungsmonitoring
Praxis-Beispiel: Indexmodell der Stadt Mühlheim (Ruhr).

Welchen Mehrwert die Verschneidung unterschiedlicher Datenbestände haben kann, zeigt eindrucksvoll das Indexmodell der Stadt Mülheim (Ruhr), das im Workshop „Bildungsmonitoring“ der Transferagentur Niedersachsen vom Statistiker Thomas Groos vorgestellt wurde. Die Stadt Mülheim bedient sich zahlreicher Merkmalsdaten auf individueller Ebene, um diese den regionalen Grundschulen zuzusortieren. Die dadurch ermöglichte Übersicht auf besonders förderungswürdige Grundschulen kann in Zukunft dazu genutzt werden, durch ein Faktorverfahren eine möglichst gerechte Verteilung der kommunalen Mittel zu erreichen.

Nutzung von Sozialindizes: Exemplarisches Vorgehen

1. Entscheidung über relevante Faktoren für Indizes,
z. B. Index sozialer Privilegierung und Benachteiligung*, zusammengesetzt aus:

a. Anteil Eltern niedrige Bildung
b. Anteil Väter arbeitslos
c. Anteil Kinder mit türkischem Migrationshintergrund
d. Anteil Kinder mit anderem Migrationshintergrund
e. Anteil drei Kinder u.m. in der Familie
f. Anteil Kinder, die nicht bei beiden leiblichen Eltern aufwachsen

* Weitere Indizes: Index frühkindlicher Förderung (unter anderem bestehend aus: Anteil Kita-Besuchsdauer 2 Jahre und weniger, Anteil Kinder ohne Sportverein, Anteil Konsum elektronischer Medien täglich mehr als 2 Stunden) und Index kindlicher Bildungsressourcen und -defizite (bestehend aus: Anteil Kinder mit auffälliger Sprachentwicklung, auffällige Visuomotorik, auffällige Körperkoordination, Kinder mit Übergewicht, Verhaltensauffälligkeiten)

2. Darstellung der Indizes auf die kommunalen Grundschulen bezogen:

Abbildung 1: Index sozialer Privilegierung und Benachteiligung für Grundschulen in der Stadt (Groos 2017:16)

3. Nutzung von Indexklassen (Mittelwerte der vergebenen Indexpunkte) in einem Faktorverfahren als Verteilerschlüssel für Mittel des Bildungs- und Teilhabepaketes

Abbildung 2: Verteilung von BuT-Mitteln entsprechend errechneter Indexklassen (verändert nach Groos 2017:21)

Zusammenhänge politisch und kommunal diskutieren

Durch die Nutzung weiterer sozialräumlicher Indizes, zum Beispiel der Verteilung nach problematischen Wohnorten („Sozialindex Schülerwohnorte“) in Verbindung mit dem Index für soziale Privilegierung und Benachteiligung, lassen sich weitere interessante Darstellungen realisieren. Klar wird hierbei, wie komplex und interpretationsbedürftig solche Visualisierungen sind. In der dargestellten Kommune sind die beschriebenen Zusammenhänge stark in politischer und kommunaler Auseinandersetzung diskutiert worden. Es überwog jedoch der Leitgedanke, „Ungleiches ungleich behandeln“ zu wollen, was eine deutliche Darstellung von Problembereichen und Handlungsfeldern unumgänglich macht.

Abbildung 3: Zusammenhang zwischen Sozialindex Schülerwohnorte und Index sozialer Privilegierung und Benachteiligung  (Groos 2017:22)

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