Newsletter Transferkompakt September 2019
Interview zur Bildungsleitbild im Landkreis Heidekreis.

Ein Leitbild ist ein normatives strategisches Instrument zur kohärenten Ausrichtung gemeinsamer Bemühungen. Doch was genau bedeutet das in der Praxis? Welchen Mehrwert kann ein Leitbild im datenbasierten kommunalen Bildungsmanagement (DKBM) entfalten und was braucht es dazu? Jürgen Haarstick, Leiter der Stabsstelle Schulverwaltung, Bildung und ÖPNV des Landkreises Heidekreis, und Thomas Dobutowitsch, verantwortlich für die Bildungsberichterstattung und das Bildungsmanagement, haben sich unseren Fragen gestellt und berichten von ihren Erfahrungen mit dem Bildungsleitbild der Bildungslandschaft Heidekreis.

Herr Haarstick, Herr Dobutowitsch: Wann ist Ihnen das Leitbild das erste Mal begegnet und wie findet es sich in Ihrem Arbeitsalltag wieder?
Jürgen Haarstick, Thomas Dobutowitsch (JH, TD):
Im Frühjahr 2011 wurde das Bildungsbüro mit der Organisation des Prozesses zur Entwicklung eines Leitbildes für die Bildungslandschaft Heidekreis beauftragt. Da wir damals beide schon dabei waren, haben wir diesen Prozess von Anfang an verfolgt bzw. begleitet. Die Erarbeitung des Leitbildes stellte einen wichtigen Schritt für die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses der Akteure der Bildungslandschaft Heidekreis dar, aus dem mit der Etablierung eines Steuerungsgremiums (Strategiegruppe Bildung) und dem Strategieentwicklungsprozess Masterplan Bildung folgerichtige nächste Schritte resultierten. Sowohl der Masterplan Bildung als auch die Strategiegruppe Bildung als Gremium, das ihn erarbeitet, spielen wichtige Rollen bei der Gestaltung der Bildungslandschaft Heidekreis. Das Leitbild ist im operativen Geschäft weniger präsent, dafür aber in strategischen Entwicklungsprozessen. Es enthält Grundlagen, die für die Entwicklung strategischer Maßnahmen Relevanz haben und somit auch immer wieder zur Sprache kommen.

Wie entstanden aus dem Leitbild konkrete Arbeitsaufträge für Sie?
JH, TD: Nach der Verabschiedung des Leitbildes wurde zunächst die Strategiegruppe Bildung als Steuerungsgremium für die Bildungslandschaft und als Beirat des Kreistages ins Leben gerufen. Erstes Ziel der Strategiegruppe Bildung war die Aufstellung des Masterplans Bildung. Dieser dient der gemeinsamen Strategieentwicklung und unterteilt sich in strategische Maßnahmen, operative Maßnahmen und Entwicklungsthemen. 2013 hat die Strategiegruppe Bildung in Klausurtagungen dann erstmals neun strategische Maßnahmen aus den Bereichen frühkindliche Bildung, schulische Bildung und Übergang Schule-Arbeitswelt aufgestellt. Der Masterplan Bildung wurde 2013 vom Kreistag verabschiedet und bei der Bildungskonferenz der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die Fortschreibung fünf Jahre später erfolgte unter den Überschriften „Strukturen verstetigen“ und „das Bild vervollständigen“. Nach einem ausführlichen Erarbeitungsprozess in der Strategiegruppe Bildung bzw. über Fachforen wurde der Masterplan Bildung 2.0 schließlich im Dezember 2018 vom Kreistag verabschiedet. Daraus leiten sich Handlungsfelder für die einzelnen Fachbereiche der Kreisverwaltung, aber auch weiterer Akteure der Bildungslandschaft Heidekreis ab.

Was waren die Beweggründe, ein Leitbild zu entwickeln?
JH, TD:
Im Jahr 2007 begann im Heidekreis der Aufbau der Bildungslandschaft. Schon zum damaligen Zeitpunkt befassten sich zahlreiche Akteure mit dem breit gefächerten Thema „Bildung“. Um aber eine gemeinsame Richtung entwickeln zu können, galt es zunächst, gemeinsam Verantwortung wahrzunehmen sowie spezifische Themen für den Heidekreis zu erkennen und diese festzuhalten. Am 16. Oktober 2007 fand die erste Bildungskonferenz des Heidekreises statt. Daraus entstand bereits im Dezember desselben Jahres der Verein zur Verbesserung der Bildungschancen im Landkreis Heidekreis e.V., bestehend aus zahlreichen Akteuren aus der Bildungsregion, so etwa dem Landkreis, der Volkshochschule, der Kreishandwerkerschaft, den Berufsbildenden Schulen, den Ausbildungsbetrieben, den Kreissparkassen und aus Bildungsträgern. Dieser Verein initiierte und steuerte zunächst den Aufbau des Bildungsbüros Heidekreis über die Förderprojekte „Lernen vor Ort“, „Perspektive Berufsabschluss“ sowie „Inklusion durch Enkulturation“. Fragen zur weiteren Entwicklung der Bildungslandschaft nach der Initiierungsphase und auch der damals anstehende Strategieentwicklungsprozess „Masterplan Bildung“ unterstützten Bestrebungen zur gemeinsamen Leitbildentwicklung. So sollte nach und nach die Vereinsarbeit zur Gestaltung der Bildungslandschaft zugunsten des Aufbaus einer Gremienstruktur mit der Strategiegruppe Bildung als Beirat des Kreistages in den Hintergrund treten. Das Leitbild sollte hierfür die Grundlage bilden.

Zu den Personen

Name: Jürgen Haarstick (r.)
Tätigkeitsbeschreibung: Leiter der Stabsstelle Schulverwaltung und Bildung, ÖPNV
Im Landkreis Heidekreis seit: 1991 und seit 2004 Leiter der Fachgruppe bzw. später Stabsstelle Schulverwaltung und Bildung, ÖPNV  

Name: Thomas Dobutowitsch (l.)
Tätigkeitsbeschreibung: Mitarbeiter für die Bildungsberichterstattung und das Bildungsmanagement in der Stabsstelle Schulverwaltung und Bildung, ÖPNV
Im Landkreis Heidekreis seit: 2009 und seitdem auch in der Fachgruppe bzw. später Stabsstelle Schulverwaltung und Bildung, ÖPNV

 

Auf Einladung des Landrates hat schließlich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus wichtigen Akteuren der Bildungslandschaft Heidekreis, am 17. Mai 2011 in Schwarmstedt unter externer Begleitung das Leitbild als Grundlage für die Fortentwicklung der Bildungslandschaft erarbeitet. Eckpunkte des Leitbildes sind die gemeinsame Sorge für ein vielfältiges und breitgefächertes Bildungsangebot, das allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich ist, sowie eine enge Vernetzung, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit der Institutionen. In der Folgezeit hat der Kreistag das Leitbild beschlossen. Zudem unterzeichneten Landrat Manfred Ostermann, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie die Schulleitungen der Schulen in Trägerschaft des Heidekreises dieses Leitbild, das bis heute Gültigkeit hat: Derzeit gibt es keine Planungen, das Leitbild zu überarbeiten.

Was hat sich durch das Vorhandensein eines Leitbildes verändert?
JH, TD:
Die Leitbildentwicklung war ein öffentliches Zeichen, dass Kreispolitik und Hauptverwaltungsbeamte die gemeinsame Verantwortung zur Gestaltung der Bildungslandschaft wahrnehmen möchten. Diese Verantwortung schlägt sich in der gemeinsamen Entwicklung von strategischen Maßnahmen über den Masterplan Bildung nieder, beispielsweise bzgl. der Schulleiterklausurtagung aller Schulen des Heidekreises. Sie trug auch dazu bei, dass die Bereiche Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring nach Auslaufen des Förderprogramms „Lernen vor Ort“ im Heidekreis verstetigt wurden.

Welche Empfehlung haben Sie an Kommunen, die sich auf den Weg zu einem eigenen Leitbild machen wollen? Was braucht es, damit das Leitbild einen Mehrwert hat?

JH, TD: Als wichtig empfinden wir einen partizipativen Entwicklungsprozess, um die gemeinsame Verantwortlichkeit mit den Akteuren zu erkennen und mit Leben zu füllen. Zudem sollten sich aus dem Leitbild mit der Zeit konkrete Maßnahmen entwickeln, damit die an der Entstehung beteiligten Akteure sich nicht irgendwann fragen: „Wozu haben wir unsere Zeit investiert?“.

Autoren: Jürgen Haarstick, Leiter der Stabsstelle Schulverwaltung und Bildung, ÖPNV, und Thomas Dobutowitsch, Mitarbeiter für die Bildungsberichterstattung und das Bildungsmanagement in der Stabsstelle Schulverwaltung und Bildung, ÖPNV, Landkreis Heidekreis