Newsletter Transferkompakt Mai 2019
Interview zur Bildungsberichterstattung im Landkreis Emsland.

Seit 2008 nutzt der Landkreis Emsland kommunale Bildungsberichte, um Bildungsprozesse vor Ort zu steuern und politisch zu diskutieren. Mit dem „Bildungsbericht Kompakt“ schlägt der Landkreis nun ein weiteres Kapitel in der Aufbereitung seines Monitorings auf: Das neue Format kann mit wenig Aufwand erstellt werden und fasst relevante Entwicklungen im Bildungsbereich aktuell und konzentriert zusammen. Im Interview mit dem Ersten Kreisrat Martin Gerenkamp und Bildungsmonitorer Patrick Kleene gehen wir Hintergründen, Nutzung und Wirkungen auf die Spur.

Herr Erster Kreisrat Gerenkamp, Herr Kleene: Bisher gab es im Landkreis Emsland drei „große“ Bildungsberichte mit je 100 bis 200 Seiten. Was führte zu der Entscheidung, für 2018 einen „Bildungsbericht Kompakt“ zu erstellen und welche Mehrwerte sehen Sie in diesem ergänzenden Format?
Erster Kreisrat Martin Gerenkamp (MG):
Der im September 2017 veröffentlichte 3. Regionale Bildungsbericht für den Landkreis Emsland hat mit seiner großen Tragweite und vielen daraus resultierten Kontaktanfragen und Maßnahmenpaketen die Bedeutung des Bildungsmonitorings im Emsland unterstrichen. Der Arbeitsaufwand für die Erstellung eines Bildungsberichtes in diesem Umfang ist jedoch für eine jährliche Aktualisierung unangemessen hoch. Die Implementierung eines jährlich erscheinenden Bildungsberichtes in einer deutlich komprimierten Form, der dennoch eine regelmäßige und zeitnahe Übersicht über die relevantesten und veränderungsanfälligsten Bildungsprozesse bietet, um rechtzeitig Fehlentwicklungen aufzudecken und politisch zu diskutieren, hat sich daher angeboten. Dieser „Bildungsbericht Kompakt“ soll mit einem überschaubaren Umfang einen regelmäßigen Diskurs und zeitnahe Steuerung ermöglichen, ohne dabei größere Personalressourcen zu binden.
Patrick Kleene (PK): Wir konnten diese einfache Erstellung möglich machen durch die Nutzung einer datenbankgestützten Monitoring-Software, die mir als Bildungsmonitorer im Bildungsbüro sowie dem Statistiker im FB 10 Innerer Service zur Verfügung steht. Nach einmaliger Einrichtung einer Vorlage kann die Software den Bildungsbericht mit sehr geringem Aufwand automatisch auf das aktuelle Berichtsjahr aktualisieren. Es bleibt jedoch selbstverständlich Ziel, in gewissen Zeitabständen weiterhin einen umfassenden „großen“ Bildungsbericht über das Bildungsmonitoring zu erstellen.

Zu den Aufgaben eines Bildungsberichtes zählt die zielgruppenadäquate Vermittlung der Ergebnisse eines Bildungsmonitorings. Inwiefern trägt das Kompakt-Format zum Erreichen neuer Zielgruppen bei?
MG:
Das Angebot an bildungsrelevanten Daten ist sehr umfangreich. Nicht immer sind jedoch sehr detaillierte und umfassende Datensammlungen notwendig, um sich einen Überblick über die Bildungsprozesse zu verschaffen. Die kompakte Form des Bildungsberichtes vermeidet das Gefühl von Daten überflutet zu werden und lenkt den Blick auf die Kennzahlen, die sich am stärksten auf Bildungsprozesse auswirken. Damit sprechen wir zum Beispiel Kommunalpolitiker/-innen und Verwaltungsakteure aus anderen Fachbereichen und Dezernaten an. Aus einer ersten Datenübersicht entwickeln sich schnell neue Fragen und Auswertungswünsche, die durch weitere Analysen und Berichte aus dem Bildungsbüro beantwortet werden können. So entstehen aus bildungspolitischen Herausforderungen datenbasierte Handlungsempfehlungen, um die Bildungsqualität in der Region kontinuierlich zu verbessern.

Haben Sie schon Rückmeldungen zum Bildungsbericht Kompakt erhalten und gibt es aus Ihrer Erfahrung Empfehlungen für andere Kommunen, die ihre Monitoring-Produkte gezielt(er) einsetzen möchten?
PK: Wir haben die Rückmeldung erhalten, dass die Leser/-innen die Möglichkeit nutzen, sich schnell und dennoch umfassend einen Überblick über die Entwicklung der wichtigsten Bildungsprozesse entlang der Bildungsbiografie zu verschaffen. Der kleine Bericht wird dadurch häufiger zur Hand genommen und als Arbeitsmittel verwendet als sein großes Pendant.
MT: Besonders wichtig ist, dass wir durch die Auswahl von Kennzahlen aus den veränderungsanfälligsten Prozessen und die Berücksichtigung aller Themenbereiche von der frühkindlichen Bildung bis zur Erwachsenenbildung erste Zusammenhänge aufzeigen können, die die Neugier auf vertiefende Analysen wecken, aus denen dann passgenaue Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können. Der „Bildungsbericht Kompakt“ versteht sich also als „Eintrittstor“ in die Welt der datenbasierten Steuerung von Bildungsprozessen. Sich auf diese Weise einen Zugang zum datenbasierten Arbeiten zu verschaffen, können wir anderen Kommunen nur empfehlen.

Inwieweit werden die Ergebnisse des Bildungsmonitorings bei Ihnen im Landkreis auch auf strategischer Ebene genutzt?
MG: Aus den zentralen Erkenntnissen aus den Bildungsberichten entwickelt unsere Regionale Steuergruppe strategische Ziele und Handlungsfelder für die Bildungsregion Emsland. So bildet das Bildungsmonitoring mit der Bildungsberichtserstattung die Grundlage für die inhaltliche Arbeit der Netzwerke in der Bildungsregion Emsland und des Bildungsbüros.

Zu den Personen

Name: Martin Gerenkamp
Tätigkeitsbeschreibung: Erster Kreisrat und Dezernent des Dezernats II (Bildung, Kultur, Arbeit und Wirtschaft)
Im Landkreis Emsland seit: 1994, seit 2011 Erster Kreisrat

Name: Patrick Kleene
Tätigkeitsbeschreibung: Bildungsmonitoring
Im Landkreis Emsland seit: Oktober 2016

 

Der Landkreis Emsland ist als Bildungsregion in Niedersachsen aktiv, befindet sich in einem Begleitprozess mit der Transferagentur, ist Mitglied des Trägervereins Kommunales Bildungsmanagement und nimmt seit der ersten Förderphase an flankierenden Förderprogrammen wie „Bildung integriert“ teil. In wieweit hat in dieser Zeit eine Weiterentwicklung Ihres DKBM stattgefunden und was sind Ihre weiteren Ziele?
PK: Die Bildungsregion Emsland existiert bereits seit 2005 und dennoch findet eine kontinuierliche Weiterentwicklung statt. So wurde die Bildungsregion in der Vergangenheit stetig um weitere Akteure in der Bildungslandschaft ergänzt. Kindertageseinrichtungen oder Einrichtungen der persönlichen und beruflichen Weiterbildung werden somit ebenfalls in den Blick genommen, um dem Bildungsverständnis des „lebenslangen Lernens“ gerecht werden zu können.
MG: Derzeit liegt der Fokus der Bildungsregion Emsland vor allem auf der Einbindung der Einrichtungen der kulturellen Bildung sowie der Berücksichtigung aktueller Themenbereiche wie der Digitalisierung und dem Fachkräftemangel. Natürlich halten wird darüber hinaus die Augen offen, welche bildungspolitischen Trends und förderrechtlichen Rahmenbedingungen sich für uns ergeben. Hierbei bietet die Transferagentur hilfreiche Informations- und Diskussionsgelegenheiten, die wir auch in Zukunft gerne nutzen möchten.

Mehr zur Bildungsberichterstattung des Landkreises Emsland:

Die Bildungsregion Emsland ging aus der Teilnahme an dem Modellversuch „Erweiterte Eigenverantwortung in Schulen und Qualitätsvergleich in Bildungsregionen“ hervor, der 2004 vom Land Niedersachsen in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung initiiert wurde. 2008 entstand im Emsland auf Grundlage eines theoretischen Konzeptes des Deutschen Institutes für Internationale Pädagogische Forschung einer der ersten regionalen Bildungsberichte für einen Landkreis in Deutschland. Ende Juni 2012 veröffentlichte der Landkreis Emsland den zweiten Regionalen Bildungsbericht. Seine Gliederung erfolgte in Anlehnung an den Anwendungsleitfaden zum Aufbau eines Kommunalen Bildungsmonitorings, der 2010 vom Statistischen Bundesamt Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung und dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg entwickelt wurde. So wurden die bereits im Bericht 2008 untersuchten Indikatoren insbesondere durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmendaten ergänzt.

Mit dem emsländischen Bildungsbericht 2017 erfolgte die Fortschreibung der Bildungsdaten aus den Bildungsberichten 2008 und 2012 im Emsland. Ziel des Bildungsberichtes war es, bildungsrelevanten Akteuren im Emsland belastbare Informationen und Zahlen über die Bildungslandschaften in der Region zu vermitteln sowie der kommunalen Verwaltung und bildungspolitischen Entscheiderinnen und Entscheidern wirkungsvolle, faktenbasierte Entscheidungsgrundlagen für die Weiterentwicklung und Verbesserung der Bildungsqualität im Emsland an die Hand zu geben. Bildung wurde bereits im Rahmen dieses Bildungsberichtes nicht nur im Kontext der frühkindlichen und schulischen Bildung, sondern als „lebenslanges Lernen“ verstanden. So wurden Auswertungen zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, frühkindlicher und schulischer Bildung erweitert und um Auswertungen zur beruflichen Ausbildung, Hochschulbildung und Erwachsenen-/Weiterbildung ergänzt.

Autoren: Martin Gerenkamp, Erster Kreisrat, und Patrick Kleene, Bildungsmonitoring, Landkreis Emsland