NACHBERICHT DES FACHTAGES Kooperation
Gemeinsam kommunale Bildungslandschaften gestalten.

Begrüßung:
Geschäftsführer der Allianz für die Region GmbH, Mitglied im Vorstand des Trägervereins der Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Niedersachsen - Oliver Syring

Oliver Syring begrüßte für den Vorstand der Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Niedersachsen. Unter dem Dach der Allianz für die Region wirken die acht Mitgliedskommunen Braunschweig, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg gemeinsam, um in der Region die Lebens- und Arbeitsbedingungen attraktiver zu gestalten und den Wirtschaftsstandort zu stärken. Über die kommunalen Verantwortlichkeiten und Kreisgrenzen hinweg werden Initiativen von Verwaltungen, Institutionen und Unternehmen in ausgewählten Handlungsfeldern zusammengeführt. Neben Gesundheit, Energie, Umwelt sowie Freizeit ist Bildung ein wesentliches Schwerpunktthema. 

Die Region Braunschweig-Wolfsburg versteht sich als zusammenhängende Bildungslandschaft, die langfristig zukunftsfähig entwickelt werden soll. Um der Fachkräftenachfrage in der Wirtschaftsregion zu begegnen, werden unter anderem die Berufsorientierung mit einem Basisprogramm für alle Schulen in der Region und die trägerneutrale Bildungsberatung als Modellprojekt des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gefördert. Wirksame Projekte und Programme zu realisieren, sei ein kontinuierlicher Prozess der Vernetzung und der Verständigung, berichtete Oliver Syring aus der Arbeit des Bündnisses.

Gesprächsrunde: Gestaltung erfolgreicher Bildungslandschaften als gemeinsame Verantwortung von Kommune und zivilgesellschaftlichen Akteuren

Das Netzwerk Stiftungen und Bildung im Bundesverband Deutscher Stiftungen steht im Förderprogramm der Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement an der Seite der Transferagenturen. Sabine Süß ist Leiterin der Koordinierungsstelle. Ihre Erfahrungen als Stiftungsvertretung in der Förderinitiative „Lernen vor Ort“ haben sie zu einer Fürsprecherin des gemeinsamen Handelns von zivilgesellschaftlichen Akteuren und Kommunen werden lassen. In der Gesprächsrunde traf sie mit Landrat Dr. Michael Lübbersmann aus dem Landkreis Osnabrück auf einen Befürworter einer lebendigen Bildungslandschaft und auf Ulrich E. Deissner von der Bürgerstiftung Braunschweig als erfahrenen Vertreter der Interessens- und Akteursgruppe Zivilgesellschaft. Der Austausch über Aspekte, Erfahrungen und Einsichten aus drei Perspektiven eröffnete einen weiten Blick auf die Entwicklungen von Bildungsregionen und Bildungslandschaften, die Veränderung des Bildungsbegriffs und die Bedeutung kommunaler Verantwortungsübernahme. 

Für Sabine Süß sind Stiftungen aufgrund ihrer wahrgenommenen Aufgaben ein aktiver Teil der Akteurslandschaft, dem über die Rolle als Förderer hinaus auch Relevanz bei der Steuerung und Strategieentwicklung zugesprochen werden kann. Mit den im Projekt „Lernen vor Ort“ gesammelten Erfahrungen haben vor allem Stiftungen eine wichtige Expertise als Partner bei der Entwicklung des Bildungsmanagements aufgebaut. 

Mehr gemeinsame Verantwortung auf kommunaler Ebene benötigt die Steuerung der Kommune, berichtete Landrat Dr. Michael Lübbersmann aus dem Landkreis Osnabrück. Das Bildungsmanagement des Landkreises setzt auf Datenanalysen, Strategiefindung und die Ableitung von Handlungszielen. Um die Bildungsarbeit verbindlich gestalten zu können, müssen die Handlungsfelder und Ansprechpartner für die unterschiedlichen Verwaltungsebenen definiert werden.

„Lernen vor Ort“ war im Landkreis auch ein Lernprozess. Für die Kooperation mit der Stiftungslandschaft wurde ein Stiftungsverbund gegründet und in die kontinuierlichen Steuerungskreisläufe eingebunden. Der Landkreis konzentriert seine Investitionen auf die Stärkung der Strukturen für präventive Maßnahmen im frühkindlichen Bereich und konnte so nachgelagerte Kosten senken. Erste messbare Erfolge sind die seit Jahren erstmals rückläufigen Jugendhilfekosten.

Wenn Bürgerinnen und Bürger sich engagieren wollen, suchen sie nach einer geeigneten Form für ihre Beteiligung. Ulrich E. Deissner von der Bürgerstiftung Braunschweig beschrieb Stiftungen als unabhängige Organisationen, die zivilgesellschaftliches Engagement bündeln und Interessen vertreten können. Sie schulden ihren Förderern Rechenschaft und Transparenz über die Erfüllung des Stiftungszwecks. Daher sind seiner Meinung nach Pflichtaufgaben der Kommunen und zusätzliche Maßnahmen, die mit Stiftungsgeldern ermöglicht oder unterstützt werden können, klar voneinander zu trennen. In diesem Rahmen sind Stiftungen in der Lage inhaltlich mitzugestalten; mehr Steuerung und klare Zielstrategien sollten von einem offenen Miteinander aller Akteure getragen sein.

Alle Teilnehmenden der Gesprächsrunde bekräftigten aus ihren Perspektiven die Überzeugung, dass sich der Aufwand lohnt, die Einstellungen und Abläufe für die Öffnungen hin zu verbindlichen Partnerschaften mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zu überdenken. In der Kooperation und der Nutzung von Synergien liegt die Chance, den wachsenden gesellschaftlichen Aufgaben kommunal zu begegnen.

Forum I: Kooperation von Stiftungen – Aufbau und Verstetigung von lokalen Stiftungsverbünden

Die Kooperation zwischen dem Landkreis Osnabrück und dem regionalen Stiftungsverbund beruht auf der Philosophie des datenbasierten Bildungsmanagements: Von Beginn an stimmten die Partner in der Überzeugung überein, anhand von datenindizierten Handlungsfeldern die Bildungsangebote in der Region besser aufeinander abstimmen zu wollen. Dadurch wird eine Stiftungsförderung im Bildungsbereich bedarfsorientiert und mit einem hohen Wirkungsgrad möglich. Zwingend notwendig für eine erfolgreiche Kooperation ist ein koordiniertes Vorgehen, ein wertschätzender und zielgerichteter Austausch, dem ausreichend Zeit zur Entwicklung von Handlungs- bzw. Lösungsansätzen gegeben wird.

Diskutiert wurde besonders der hohe Zeitaufwand für die verschiedenen Gremien und Austauschformate. Der Mehrwert, der aus diesem Austausch generiert wird, ist aber höher einzustufen. Das Ergebnis der Kooperation im Rahmen des Bildungsmanagements führt zu einer neu einzuübenden Vorgehens- und Handlungsweise, die bald zu einer alltäglichen Einstellung wird.

Nach einer gewissen Zeit entstehen Mechanismen, sodass bei bestimmten Projekten automatisch die Mitwirkung geeigneter Personen und Institutionen mitbedacht wird.

In der Diskussion wurde auch deutlich, dass die Kommunen für den Aufbau und die Einbindung eines Stiftungsverbundes, wie im Beispiel des Landkreises Osnabrück, sich bereits auf den Weg gemacht haben müssen, ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement aufzubauen. Die Transferagentur Niedersachsen begleitet die Prozesse, in denen angepasst an die jeweiligen kommunalen Voraussetzungen und Ressourcen, individuelle Modelllösungen gefunden werden.

Forum II: Integration durch Bildung – Bildungskoordination für Neuzugewanderte

In Salzgitter richten sich die Bemühungen darauf, Neuzugewanderte mit passgenauen Bildungsangeboten in die Gesellschaft zu integrieren und die verschiedenen Maßnahmen zu koordinieren. Eine Neustrukturierung in der Stadtverwaltung, neue Gremien und Netzwerke wurden zur Basis der kontinuierlichen Zusammenarbeit und des abgestimmten Handelns mit internen und externen Akteuren. Die Sozialstrukturplanung und das Bildungsmonitoring sind in die Strukturen und Entscheidungsprozesse eingebunden. Salzgitter erkennt für sich in den gesetzlichen Grundlagen zu kommunalen Zuständigkeiten eine umfassende formale Verantwortung und nutzt diese am Beispiel des Spracherwerbs in Kitas erfolgreich zur Einbindung freier Träger. Die „Präventionskette“ und das Beispiel eines Sportvereins als Integrationsstützpunkt zeigen, wie die Einbindung von Zivilgesellschaft und Ehrenamt in der Praxis gelingt. 

Der Boxclub Tigers Salzgitter e.V. ist als Stützpunkt mit einem pädagogischen Integrationskonzept für Jugendliche auch Anlaufstelle über den Sport hinaus. Sie haben hier Zugang zu niederschwelligen Angeboten (z. B. Hausaufgabenhilfe, Berufsorientierung, vertrauensbildende Maßnahmen und Wertevermittlung). Erfolge sind erkennbar bei Schul- und Berufsabschlüssen, Beschäftigungsaufnahmen und gesellschaftlicher Teilhabe.

Die Diskussion bestätigte, wie wichtig es ist, dass die kommunale Verwaltung den zivilgesellschaftlichen Akteuren auf Augenhöhe begegnet und eine kontinuierliche Begleitung der Mitwirkenden realisiert. Für die permanente Aufgabe der Koordinierung aller Akteure müssen die Verantwortlichkeiten klar aufgeteilt sein, gegebenenfalls benötigt dies auch die Offenheit der Kommune, die verwaltungsinternen Strukturen auf veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.

Forum III: Bildungsübergänge gemeinsam gestalten

Jeder Übergang wird in Freiburg als Prozess verstanden. Die Perspektive der Ratsuchenden einzunehmen, ist ein zentrales Element des Bildungs-  und Übergangsphasenkonzepts. Die Stadt lädt regelmäßig zu kontext- und hierarchieübergreifenden Gesprächsrunden – den Lupengesprächen – ein. Themen-Netzwerke widmen sich einzelnen Lebensphasen; Informationen und Entwicklungen daraus werden in übergeordnete Netzwerke getragen. Die Bildungskonferenzen bringen alle Bildungsakteure zusammen, um Bildung im lebenslangen Lernen als Querschnittsthema zu betrachten und das gemeinsame Bildungsverständnis zu entwickeln oder zu schärfen. Als webbasierte Aufbereitung der zahlreichen Möglichkeiten an den Übergängen ist das Online-Angebot der Freiburger Lupe entstanden, die auch von der zentralen Freiburger Bildungsberatungsstelle „Wegweiser Bildung“ genutzt wird.

Die Übertragbarkeit der Freiburger Lupe in andere Kommunen interessierte besonders. Für den Einstieg in die Zusammenarbeit mit Bildungspartnern empfiehlt es sich, gemeinsame, dringend zu bearbeitende Themen und ein konkretes Handlungsinteresse zu identifizieren. Der Ansatz, partizipativ, bildungsbiographisch, kontextübergreifend, allparteilich, prozessorientiert und nachhaltig zu arbeiten, wurde als ausschlaggebender Erfolgsfaktor beschrieben. Messbare Kooperationserfolge stellen sich erst nach einer Phase der intensiven Vorarbeit ein. 

Forum IV: Inklusion vor Ort – Auf dem Weg zu einer inklusiv orientierten Kommune

Das übergeordnete Integrationskonzept „Vielfalt gemeinsam gestalten!“ dient der Politik und Verwaltung der Stadt Oldenburg als Orientierungsleitfaden zur Umsetzung einer zukunftsfähigen Integrationspolitik. Es bestimmt die Schwerpunktsetzung in den Dezernaten Soziales, Jugend und Schule, die sich den Aufgabenstellungen der schulischen, der gesamtgesellschaftlichen und der Inklusion in der Verwaltung widmen. Die eingerichtete Fachstelle Inklusion wurde mit der Koordinierung und Gestaltung des kommunalen Inklusionsprozesses beauftragt, begleitet von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. Der zentrale Partizipationsgedanke wird kontinuierlich verwirklicht, beispielsweise über die Arbeitsgruppe „Inklusion an Schulen“, das Netzwerk „Inklusion konkret“ sowie verschiedene Arbeitsgruppen, die einen Aktionsplan zur Inklusion erarbeiteten. Bei der Zusammenstellung aller beteiligenden Formate ist der Grundgedanke, eine möglichst heterogene Zusammensetzung zu erlangen, um alle Blickwinkel und Bedarfe einzufangen. 

Die Diskussion stellte Gelingensbedingungen heraus: Im Hinblick auf die Frage, was es brauche, um Inklusion umzusetzen, ist die Einrichtung einer zentralen Fachstelle für Inklusion förderlich, die eine koordinierende, gestaltende und impulsgebende Funktion innehat. Hilfreich ist es, wenn Inklusion „Chefsache“ ist und eine gemeinsame Haltung zu Werten entwickelt werden kann. Gute Beteiligungsstrukturen unter gegenseitiger Wertschätzung helfen dabei, verschiedene Sichtweisen und Bedarfe zu berücksichtigen. Für den Prozess insgesamt war die externe Moderation und Begleitung durch die Montag Stiftung förderlich. Nicht zuletzt warben die Referierenden für die Bereitschaft, auf dem Weg zur Inklusion auch kleinere Schritte zu gehen.