Kreisfreie Stadt Mannheim
Erhebung von Bildungsberatungsangeboten in der gesamten Kommune

Infos zur Kommune: Fläche 144,96 km², Einwohner: 296.690,
Bevölkerungsdichte: 2.047 Einwohner je km²
Handlungsfeld: Bildungsmonitoring, Bildungsberatung
Art des Angebotes:
Instrument/Angebot
Kontakt: karin.jerg@mannheim.de
Weitere Informationen: www.lernen-vor-ort.info/de/184.php

Praxis-Beispiel als PDF-Datei

Die Nachhaltigkeit der Bestandserhebung und Bereitstellung wie auch Nutzung von Daten ist eine zentrale Aufgabe. Akteure sollten deshalb frühzeitig in den Prozess eingebunden werden, wodurch sich sowohl die Eigenverantwortlichkeit als auch das Bewusstsein für den Mehrwert eines solchen Datenbestandes erhöht und die Motivation zur kontinuierlichen Pflege verbessert wird.“

Karin Jerg, Fachbereich Bildung, Stadt Mannheim, ehem. Projektleiterin der Initiative „Lernen vor Ort“ in Mannheim

Wie in den meisten Kommunen gibt es auch in Mannheim eine Vielzahl von Trägern, deren Angebote im weitesten Sinne eine bildungsberatende Wirkung zeigen. Dem Anspruch, Ratsuchende in allen Lebenslagen zu befähigen, passende Bildungs-, Ausbildungs- und Berufsentscheidungen zu treffen, kann eine kommunale Bildungsberatung jedoch nur dann gerecht werden, wenn Transparenz besteht und auf eine Übersicht aller lokalen Beratungs- und Bildungsangebote zurückgegriffen werden kann.

Zudem bildet eine Bestandsaufnahme die Grundlage für den Vernetzungs- und Koordinierungsauftrag von Bildungsberatung. Mit der Intention, Transparenz und Kohärenz in der lokalen Bildungslandschaft zu schaffen, wurde auch das Ziel verfolgt, die Effektivität und Effizienz aller Bildungs- und Beratungsangebote zu steigern.

Auf Grundlage der Bestandsaufnahme konnte ein Netz­werk, der „Kompetenzkreis Bildungsberatung“ (KKBB), etabliert werden, in dem die Akteure zum Zwecke des Austausches, zur gegenseitigen Information und Unterstützung sowie Kooperation zusammengebracht wurden. Insgesamt fanden während der Projektlaufzeit von „Lernen vor Ort“ fünf Treffen mit reger Teilnahme statt, aus denen unter anderem eine Zusammenstellung der Bildungsberatungsangebote in Mannheim resultierte, ausgerichtet an Zielgruppen, Themen, Settings, Finanzierung und Qualifizierung des Beratungspersonals. Diese Übersicht soll den Akteuren im sozialen und pädagogischen Bereich eine Unterstützung für ihre Arbeit bieten, die Kooperation fördern und letztendlich dabei helfen, dass Ratsuchende schnell und zielgerichtet informiert und bei Bedarf weiterverwiesen werden. Mit den Mannheimer Trägern von Bildungsberatungsangeboten konnten gegen Ende des „Lernen-vor-Ort“-Programmes Modalitäten für eine eigenständige Weiterführung des KKBB vereinbart werden. Jeweils zwei Anbieter teilen sich die Gastgeber- und Moderationsrolle des nächsten KKBB-Treffens. Der Turnus der Treffen (zweimal jährlich) wird fortgesetzt. Beim inzwischen siebten Treffen verabredeten die Mitglieder die eigenständige Aktualisierung der Bestandsaufnahme.

Die Nutzung von bzw. Anbindung an bestehende regionale Datenbanken, Berichte und andere Veröffentlichungen zum Thema Bildung (Bildungsberichte, Programmübersichten usw.) ist hilfreich. Erfahrungen und Strukturen anderer Projekte, zum Beispiel „Lernende Regionen“, unterstützen die Etablierung deutlich. Die Einbindung von Universitäten bzw. Hochschulen (Dozent/-innen und Student/-innen) vereinfacht die Datenerhebung und -auswertung, wenn diese in Seminare (durch Hausarbeiten usw.) eingegliedert werden. Zur Träger­identifizierung sowie zur Darstellung der Ergebnisse empfiehlt es sich, bereits bestehende Arbeitskreise, Gremien, die jeweiligen Kooperationspartner/-innen sowie deren Treffen für die Präsentation des Vorhabens zu nutzen.

Der Kompetenzkreis Bildungsberatung arbeitet eigenverantwortlich unter Einbeziehung aller interessierten Anbieter. Dies sind verschiedene Bildungseinrichtungen und -träger, Beratungsstellen, freie Anbieter und auch Körperschaften. Da keine außerordentlichen Ressourcen zur Verfügung stehen, aber ein großes Interesse an der Netzwerkarbeit besteht, werden die anfallenden Aufgaben auf freiwilliger Basis abwechselnd übernommen.

Der Erfolg der Erhebung konnte unter anderem an der Anzahl der Akteure gemessen werden, die an der Befragung teilgenommen und die ihr Angebot anhand der Vorlage in der Übersicht präsentiert haben. Durch die Erstellung der Übersicht können die Daten von den Mitarbeiter/-innen aller teilnehmenden Organisationen, aber auch anderen Interessierten für die Beratung von Ratsuchenden genutzt werden. Die Ergebnisse wurden auf der eigenen Homepage und denen der teilnehmenden Organisationen veröffentlicht. Nicht zuletzt dokumentiert die eigenständige Aktualisierung der Daten­erhebung bzw. der -pflege über den Projektzeitraum hinaus den Bedarf bzw. den Zweck der Nutzung.

Wichtig ist, die Intention der Datenerhebung vor der Methodenwahl zu formulieren. Die Nachhaltigkeit der Bestandserhebung und Bereitstellung wie auch Nutzung von Daten ist eine zentrale Aufgabe. Akteure sollten deshalb frühzeitig in den Prozess der Bestandserhebung eingebunden werden, wodurch sich sowohl die Eigenverantwortlichkeit als auch das Bewusstsein für den Mehrwert eines solchen Datenbestandes erhöht und die Motivation zur kontinuierlichen Pflege der erhobenen Daten verbessert wird. Schriftliche Befragungen haben den Vorteil, dass sie kostengünstig ein breites Feld erschließen können, müssen jedoch präzise vorbereitet werden, damit keine Missverständnisse auftauchen oder die Rücklaufquote zu niedrig ausfällt. Einzelne Anbieter zu überzeugen, dass diese ihre Daten zur Verfügung stellen, ist manchmal schwierig. Der Nutzen nicht nur für das eigene Projekt, sondern auch für die Anbieter muss deshalb deutlich herausgestellt werden. Die Kooperation mit einem Partner außerhalb des Projektes hat Vor- und Nachteile: Einerseits befördert dies die Akzeptanz bei den befragten Institutionen, anderseits sind klare Absprachen der Partner untereinander notwendig, damit die Ziele der Befragung von allen Akteuren eindeutig verstanden werden. Provokative Begriffe sollten vermieden werden – bei einigen Akteuren bestehen gegenüber bestimmten Begriffen negative Einschätzungen. Häufig ist es ausreichend, diese besonderen Reizwörter aus dem Prozess herauszunehmen, um einen leichteren Zugang zu Institutionen und Verwaltung zu ermöglichen.