Kreis Lippe
Bildungs- und EntwicklungsBegleitung (BEB).

Infos zur Kommune: Fläche 1.246,21 km², Einwohner: 345.127,
Bevölkerungsdichte: 277 Einwohner je km²
Handlungsfeld: Bildungsberatung, Netzwerke/Kooperation
Art des Angebotes:
 Instrument/Angebot
Kontakt: B.Piltman@kreis-lippe.deB.Grebe@kreis-lippe.deJ.Prokofieva@kreis-lippe.de 
Weitere Informationen: www.kreis-lippe.de 

Das wertschätzende positive Erleben eines Förder- und Bildungsangebotes ohne klassische Problemdefinition im Vorfeld erhöht die Bereitschaft, weitere geeignete Angebote zu nutzen. Der Fördercharakter des Angebotes steht deutlich im Vordergrund und schafft, im Gegensatz zu an Defiziten orientierten Ansätzen, eine hohe Akzeptanz der Eltern zur Teilnahme."

Birgit Piltman, Projektleitung Bildungs- und EntwicklungsBegleitung Kreis Lippe

Die Grundlagen einer gelungenen Bildungsbiografie werden in der Familie und in den ersten Lebensjahren gelegt. Um diese Entwicklung von Anfang an positiv zu beeinflussen, hat der Kreis Lippe das Konzept der Bildungs- und Entwicklungsbegleiterinnen (BEB) entwickelt. Nach den positiven Effekten der Pilot- und Entwicklungsphase wird das Konzept nun kreisweit auch unter Beteiligung weiterer Jugendämter umgesetzt.

1. Die Ergebnisse im Überblick: Was konnte mit dem Engagement erreicht werden?

Die Kommunen des Kreises Lippe sind geprägt von einer kleinstädtisch, ländlichen Struktur und rückläufigen Geburtenzahlen. Das hat zur Folge, dass auch die Angebote an junge Familien teilweise nicht vor Ort sind und insbesondere von benachteiligten Familien nicht erreicht werden. Neben der fehlenden, aber notwendigen Mobilität, um an diesen präventiven Familienbildungsangeboten teilnehmen zu können, verhindern häufig auch persönliche Unsicherheit, fehlende positive Lernerfahrungen und natürlich finanzielle Aspekte die Teilnahme. Das Konzept der BEB stellt eine Alternative zu den herkömmlichen Familienbildungsangeboten dar und schafft einen niederschwelligen Zugang zu weiteren Angeboten.

2. Der Ausgangspunkt: Was hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Vorhaben aufgegriffen und gefördert wurde?

Neben der Analyse der bestehenden Angebotsstruktur stand die darauf abgestimmte inhaltliche Konzeption des Angebotes im Vordergrund. Außerdem ist die Einbettung in das regionale Präventionskonzept in Gesprächen mit Netzwerkpartnern aus den pädagogischen und fachlich angrenzenden Bereichen sichergestellt worden. Für die Umsetzung wurden außerdem Kooperationspartner und Stiftungsgelder für die Finanzierung eingeworben.

3. Der aktuelle Status: Wie sind die Beteiligten heute eingebunden und mit welchen Ressourcen sind sie ausgestattet?

Das Angebot der BEB ist heute fest in der Präventionsstruktur des Kreis Lippe verankert. Neben der Projektleitung durch Frau Piltman sind zwei Dipl. Pädagogen, Julia Prokofieva und Britta Grebe, für die Koordination des Angebotes zuständig. Die Leitung ist verantwortlich für die Weiterentwicklung des Angebotes und die Qualifizierung und Weiterqualifizierung der Bildungs- und EntwicklungsBegleiterinnen. Die Koordinatorinnen führen die Clearing Gespräche mit den Familien, beauftragen die Honorarkräfte, begleiten die Honorarkräfte fachlich in der täglichen Arbeit wie auch in der Qualifizierung und gestalten die Akquise mit den entsprechenden Netzwerkpartnern. Personell steht somit neben der Leitung insgesamt noch eine volle Stelle zur Verfügung.

4. Die Sichtbarkeit: Wie konnte der Erfolg gemessen und publik gemacht werden?

Durch den handlungsorientierten und aufsuchenden Charakter des Angebotes werden Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status, Familien mit Zuwanderungsgeschichte und bildungsferne Familien mithilfe verschiedener Dienste angesprochen. Eltern lernen früh und konkret ihre Verantwortung für die Entwicklung und Bildung ihres Kindes zu gestalten. Das wertschätzende positive Erleben eines Förder- und Bildungsangebotes ohne klassische Problemdefinition im Vorfeld erhöht die Bereitschaft, weitere geeignete Angebote zu nutzen. Der Fördercharakter des Angebotes steht deutlich im Vordergrund und schafft, im Gegensatz zu an Defiziten orientierten Ansätzen, eine hohe Akzeptanz der Eltern zur Teilnahme. Die frühe Begleitung und Bildung von Familien mit absehbarem Förderbedarf, in Einzelfällen schon in der letzten Phase der Schwangerschaft, kann langfristig zum Abbau aufwändigerer und damit kostenintensiverer Hilfen führen. Regelmäßige Presseberichte und die Teilnahme an Fachveranstaltungen werden für die Bekanntmachung genutzt.

5. Die Gelingensfaktoren und Hemmnisse: Was war besonders förderlich für die Umsetzung? Welche Hemmnisse waren zu bewältigen?

Die Einbettung des Konzeptes in vorhandene Dienste des Jugendamtes ist sinnvoll. Dadurch werden gute Voraussetzungen für die Nutzung als auch für die notwendige Abgrenzung geschaffen. Optimal ist die Verbindung mit den Frühen Hilfen, insbesondere mit dem Neugeborenenbesuchsdienst. Weiter ist eine gute Kommunikation mit Einrichtungen und Trägern, die mit der Zielgruppe in Kontakt sind, erforderlich. Sie sind unverzichtbare Partner für die gezielte Vermittlung der BEBs. Den koordinierenden Fachkräften kommt eine Schlüsselrolle in dem Konzept zu. Sie akquirieren, schulen, begleiten fachlich und vermitteln die BEBs in die Familien. Gleichzeitig sind sie Ansprechpartnerin für alle Fachkräfte und repräsentieren das Arbeitsfeld verwaltungsintern als auch extern in Gremien und Arbeitsgruppen. Eine gute Kommunikation mit den Netzwerkpartnern verhindert eventuelle Vorbehalte gegenüber dem Angebot. Auch eine gute Abgrenzung zu den Angeboten des Allgemeinen Sozialen Dienstes, Frühförderung etc. ist nötig.